Stanley ADAMS: seine Geschichte und die des weltweiten Vitaminkartells im Überblick

Foto: Stanley ADAMS

Dass hochrangige Manager von sich aus zuständige Behörden über illegale Praktiken in ihrem Unternehmen informieren, ist eher selten. Stanley ADAMS hat dies 1973 getan: Als "World Product Manager" für die gesamte Vitaminproduktion des schweizerischen Pharmariesen Hoffmann-La Roche mit Sitz in Basel hatte er die Wettbewerbsabteilung der EG-Kommission in Brüssel unterrichtet. Die Schweiz hatte kurz zuvor ein Freihandelsabkommen mit der EG ratifiziert. In der Schweiz waren - damals - Kartelle gang und gäbe, weil politisch erwünscht: sie nützten der schweizerischen Wirtschaft.

In Europa und in den USA, aber auch in vielen anderen Ländern (z.B. Australien) waren Kartelle und das missbräuchliche Ausnutzen "einer marktbeherrschenden Stellung" nicht nur verpönt, sondern t.w. sogar verboten.

Stanley ADAMS sah dieses Problem und schlug Alarm. Ergebnis:

  • Die EG-Kommission (heute: EU-Kommission) nahm Ermittlungen auf und verhängte Bußgelder gegen Hoffmann-La Roche
  • Der Informant bzw. Whistleblower ADAMS landete in der Schweiz ersteinmal im Gefängnis: u.a. wegen "wirtschaftlichen Nachrichtendienstes für eine ausländische Macht" (§ 273 StGB/Schweiz)

Wir haben den Lebenslauf von Stanley ADAMS rekonstruiert. Bis 1990 ist es das Schicksal eines Whistleblowers, der sich in den Mühlen der EG-Bürokratie und in dem egoistischen Selbstverständnis der Schweiz verfängt. Die Folge ist auch sein wirtschaftlicher Ruin.

Diesem versucht er in England zu entkommen, was misslingt. In seiner offenbar letzten Not begeht er den größten Fehler seines Lebens, den er mit mehr als 5 Jahren Zuchthaus bezahlen muss. Auch diesen Teil seines Lebens dokumentieren wir: alles in einem zusammenhängenden Lebenslauf: Lange Chronologie eines widersprüchlichen Lebens.

Wer ihm dabei über den Weg gelaufen ist, finden Sie im ABC der Akteure.

Mit dem weltweiten Vitaminkartellisten Hoffmann-La Roche sind weitere Stichworte verbunden:

  • die Kartellauseinandersetzungen in vielen Ländern der Erde wegen "überhöhter Preise" für die beiden Roche-Produkte "Valium" und "Librium" (beides Psychopharmaka): Gross und stark durch Vitamine
  • das Dioxinunglück in Seveso: die italienische Fabrik ISMESA war eine Tochter von Hoffmann-La Roche

Der Fall ADAMS hatte in den 70er und 80er Jahren die Öffentlichkeit in Europa erregt. Die öffentliche Aufmerksamkeit und der daraus resultierende politische Druck auf die Schweiz führten schließlich dazu, dass Stanley ADAMS nicht für 20 Jahre ins Gefängnis musste (wie vom Gesetz vorgesehen), sondern nur für ein Jahr.

Außerdem begann die Schweiz, sich nach und nach einigen europäischen Standards anzupassen.

Das Leben und Wirken jenes Anwalts, der sich 1979 für ADAMS gegen die EG-Behörde engagierte, um wenigsten eine kleine finanzielle Wiedergutmachung herauszuholen, haben wir hier ebenfalls dokumentiert: David gegen Goliath: Dr. Erich DIEFENBACHER gegen das Schweizer Bankenkartell, aufrufbar unter www.ansTageslicht.de/Diefenbacher.

Wenn Sie die Geschichte von Stanley ADAMS direkt aufrufen oder verlinken wollen, geht das unter www.ansTageslicht.de/Adams

(JL)