Der ganze Vorgang im Überblick

Bei Galileo GALILEI, dem berühmten Mathematiker, Physiker und Astronomen, der um 1600 behauptet (und bewiesen) hatte, dass nicht die Erde das Zentrum des Universums ist, sondern dass sie sich um die Sonne dreht, und den die Katholische Kirche im Jahr 1633 zum Widerruf dieser These gezwungen hatte, war es ein Zeitraum von rd. 350 Jahren: Bis ihn die Katholische Kirche im Jahr 1992 rehabilitierte. Und eingestehen musste, dass das Universum doch anders funktioniert. Und Rom demnach nicht der Mittelpunkt der ganzen Weltsystems sein könne. Im 17. Jahrhundert wäre Galileo GALILEI sonst auf dem Scheiterhaufen gelandet. Und bei lebendigem Leibe verbrannt worden. Soweit zur Achtung vor dem (individuellen) menschlichen Leben dieser mächtigen Religionsgemeinschaft.

Im Jahr 2013 waren es knapp 6 Wochen: Bis sich die Katholische Kirche dazu durchringen konnte, vergewaltigten Frauen nicht mehr die "Pille danach" zu verweigern. Und Ärzten nicht zu kündigen, die in katholischen Krankenhäusern – eigentlich – zum Dienst an den Menschen verpflichtet sind. Bzw. die bis dahin gezwungen waren, die reine Kirchenlehre über die Not von Menschen zu stellen.

Diese Kehrtwende hatten zwei Redakteure des Kölner Stadtanzeiger ausgelöst: Peter BERGER und Joachim FRANK, die einen Vergewaltigungsfall zum Anlass nahmen, die Praxis in zwei Krankenhäusern der katholischen Ordensschwesterngemeinschaft "Cellitinnen zur Heiligen Maria" zu hinterfragen, Vergewaltigungsopfern mit der "Pille danach" erste Notfallbehandlung zu verweigern.

CC BY-SA: www.ansTageslicht.de/Pilledanach

Die öffentliche Diskussion schlug so hohe Wogen, dass sich der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal MEISNER genötigt sah, neue naturwissenschaftliche und medizinische Expertise einzuholen. Und danach seine moraltheologische und pastorale Position revidierte. Dies sogar in Absprache mit dem Vatikan, der die geänderte Linie von Kardinal MEISNER billigte.

Was zunächst nur in Nordrhein-Westfalen für alle dortigen katholischen Diözesen gelten sollte, gilt nun für die Katholische Kirche in ganz Deutschland. Bzw. "katholischen Krankenhäusern": "Wenn nach einer Vergewaltigung ein Präparat, dessen Wirkprinzip die Verhinderung einer Zeugung ist, mit der Absicht eingesetzt wird, die Befruchtung zu verhindern, dann ist dies aus meiner Sicht vertretbar." Hier findet sich die offizielle Erklärung im vollständigen Wortlaut.

Die Wächterpreis-Jury hat den beiden Redakteure, Peter BERGER und Joachim FRANK für ihre Berichterstattung 2014 einen "Wächterpreis der Tagespresse" zuerkannt.

Dazu finden Sie alle ‚ausgezeichneten’ Berichte zu diesem Fall im Original. BERGER und FRANK haben zur "Kehrtwende" ein kurzes Resumee gefertigt, in dem sie den Ablauf ihrer Informationsgewinnung im Groben skizzieren - eine Art Making-of ihrer Recherchen bzw. ihrer Berichterstattung. Details können sie nicht nennen, da dies Thema in der katholischen Kirche und ihren angeschlossenen Institutionen immer noch hochsensibel ist und auch nachträglich noch Informanten um ihren Arbeitsplatz fürchten müssen, sollten sie ihrer Funktion nach oder gar namentlich bekannt werden.

Außerdem haben wir in zwei kleinen Portraits beschrieben, was die beiden Journalisten bewegt, sich auf solche Themen einzulassen.

Wir haben diesen Sinneswandel zum Anlass genommen, uns mit dem Thema Katholische Kirche und Sex etwas näher zu beschäftigen. Mehrere Aspekte sind dabei aufgekommen bzw. Kapitel entstanden:

Außerdem dokumentieren wir die Umfrage, die die Katholische Kirche 2014 zum Thema Sex veröffentlicht hat. Allerdings mit einem etwas anders klingenden Titel:"Die pastoralen Herausforderungen der Familie im Kontext der Evangelisierung."

Wenn Sie diese Geschichte direkt aufrufen oder verlinken wollen, können Sie dies unter www.ansTageslicht.de/Pilledanach tun.

 

(JL)